
In der Kategorie Rabenschmerz am 11.05.13 um 01:00 Uhr veröffentlicht.
Seit ich arbeite, hat sich mein Leben ein bisschen geändert. Ich bin müder geworden und ich sprudle nicht mehr über, wie ein nie versiegender Brunnen. Ich bin stiller geworden, weil mir vieles nur noch als unnötiges Blabla erscheint. Fakten, Daten und Zahlen regieren meine jetzige Welt. Wenn ich etwas lese, dann nur noch quer.
Reden Menschen ohne Punkt und Komma und kommen nicht zur Sache, merke ich, wie meine Geduld schwindet. Dabei war ich früher genauso. Nichts bereitete mir mehr Spaß, umständlich Sachverhalte zu beschreiben ohne zu sagen, auf was ich hinauswill. Das Schönste erschien mir, wenn mein Gegenüber raten mußte, was ich mir gerade in meinem Köpfchen ausgeheckt hatte. Jemanden etwas zu erzählen, ohne sein Hirn zu fordern, erschien mir unwürdig. Nun ja, mittlerweile knurre ich innerlich, wenn mein Gesprächspartner nicht in einem Satz sagen kann, was er will. Wozu sollte ich unnötig Zeit verlieren? Wozu sollte ich mich überhaupt unterhalten? Das alles kostet schließlich Energie und Zeit. Zwei Dinge, von dem ich einstmal dachte, ich hätte davon unendlich viel.
Manchmal frage ich mich, ob mich das Arbeitsleben verändert hat. Charakterlich eigentlich nicht. Ich habe immer noch dieselben Stärken und Schwächen. Ich bin immer noch impulsiv, empört und kann meinen Mund nicht halten, wenn mir etwas gegen den Strich geht. Was sich verändert hat, ist, dass mir kaum noch etwas gegen den Strich geht. Alles erscheint mir so banal, so unwichtig, worüber sollte ich mich aufregen? Ich habe keine Probleme mehr in meinem Leben, das ist das Schönste und zugleich Schrecklichste an meiner momentanen Situation. Aber dazu ein andermal.
Ich würde gerne sagen ich bin vernünftiger geworden. Aber das stimmt nicht. In mir wacht ein kleiner Kobold, der nicht sterben will. Der keckernd lacht, sobald ich nicht aufpasse. Der mir trotz der Eintönigkeit dieser Welt die Skurillitäten des Alltags zeigt und mich zum Lachen bringt.
Mein Leben ist einsam geworden. Ich habe mich in einen Geist verwandelt. Wie ein Chamäleon verschmelze ich mit meiner Umgebung und niemand nimmt mich mehr wahr. Ich beobachte die Menschen um mich herum, die ihre Leben leben. Ich schau ihnen in der Bahn oder am Bahnhof zu. Mir begegnen alle möglichen Leute. In der S-Bahn sitzen mir Menschen gegenüber, denen die Nase fehlt. Anderen fehlt das Herz. Die meisten sind gar nicht da; mit ihren Gedanken in ihren eigenen Welten. So sehr sind meine Gegenüber mit ihren Parallelwelten auf ihren Smartphones oder Büchern beschäftigt, dass sie mich gar nicht mehr wahrnehmen.
Manchmal denke ich, ich bin die einzige in diesem überfüllten Zug, die sich im Hier und Jetzt befindet. Ich sehe der Sonne beim Aufgehen zu und freue mich, während rings um mich Zombies in ihre moderne Technik versinken. Ach, ihr Menschenkinder, vor lauter Ablenkung überseht ihr die schönen Dinge des Lebens. Wie Rauch schlotende Kamine an kalten Winterabenden. Wenn die Sonne in einem bestimmten Winkel auf den aufsteigenden Ruß scheint und in goldenes Feuer verwandelt. Und ihr seht es nicht, weil ihr doof seid.
Ich habe angefangen ein Geist zu werden. Ich kleide mich so unscheinbar, dass nichts an mir auffällt. Meine Haare sind mittlerweile dauerkurz und ich passe mich der Langweile des Alltags an. Mir gefällt dieses unauffällige Leben, das mich so unsichtbar macht, dass ich das Gefühl habe, gar nicht mehr dazu zu gehören.
Kinder sehe ich inzwischen so gut wie gar nicht mehr. Fahre ich morgens in die Arbeit, ist die Frühschicht meine Begleitung. Komme ich abends zurück, ist es zu spät für lärmende Kinder. Meistens sind die Abteile dann schon so leer, dass ich mich auf den Sitzen undamenhaft herumfläze.
Klingt das trostlos? Ja, manchmal ist es das. Eigentlich ganz oft. Wäre da nicht mein Kobold, der nicht stillhalten mag. Egal wie müde ich bin, das kleine Ding in mir ist unauslöschlich. Es wird nicht müde, mir Dinge zuzuflüstern, die mich zum Lachen bringen. Es sind nur langweilige Alltagssituationen, aber manchmal entsteht daraus eine Komik, die ich furchtbar komisch finde. Die außer mir wahrscheinlich niemand lustig findet. Wahrscheinlich brauche ich einfach ab und zu einen Grund zum Lachen. Ab und zu, dieses Gefühl des Irrsinns.
In drei Stunden muss ich schon wieder aufstehen. Nicht in die Arbeit. Nein! Dann geht es zum Laufen. Damit ich die Sonne beobachten kann, wenn sie als roter Feuerball über die taunassen Gräser schwebt . Als nächstes muss ich packen (ich liebe es, wenn ich zu spät dran bin) Um halb neun Uhr morgens muss ich hier los in Richtung Flughafen. Es geht in den eisigen Norden. Dort, wo die anderen Kobolde leben. Dann lass ich meinen frei und hoffe, dass er wieder kommt.

In der Kategorie Mähbriefe am 23.04.13 um 21:41 Uhr veröffentlicht.
… was machen unsere Bayern da gerade? Die letzten Tage schwanke ich zwischen Entsetzen (was ich von der Sache mit Hoeness halten soll, weiß ich immer noch nicht), noch mehr Entsetzen (ich wollte den Götze ja nie!) und völliger Euphorie! Jetzt steht es 4:0… Eigentlich bin ich viel zu spät dran für das Spiel. Heimgekommen erst spät zur zweiten Halbzeit, weil die Arbeit so lange gedauert hat. Die Nächte werden wieder lauer, der Sommer steht vor der Tür und ich fing an, Dich auf dem Weg nach Hause zu vermissen. Weitaus mehr als das ich es bedauere, dass ich das Spiel nicht live sehen konnte. Aber ehrlich gesagt vermisse ich Dich immer noch jeden Tag. Meistens finde ich schnell irgendwas, das mich ablenkt und der Schmerz vergeht wieder ein Weilchen. Nur manchmal gibt es nichts. So wie heute. Aber jetzt haben wir gewonnen! Und ich bin mir wenigstens ganz sicher, dass Du dich jetzt genauso viel freust wie ich.
Juhu, wir haben Barca platt gemacht! Wir sind doch so toll! :)

In der Kategorie Gedankenfetzen am 15.02.13 um 22:53 Uhr veröffentlicht.
Mein Vorsatz für das neue Jahr war eigentlich ganz banal. Ich hatte beschlossen ein besserer Mensch zu werden. Jetzt, nach nur nicht einmal zwei Monaten habe ich darin schon wieder so gründlich versagt, dass ich mir einen neuen Spiegel kaufen müsste. Nun, ganz so schlimm war es zum Glück nicht. Dennoch ist es erstaunlich, je mehr man sich etwas vornimmt, je mehr Willen man für seine Ziele aufbringt, umso mehr ist das ganze Vorhaben zum Scheitern verurteilt. Ein guter Mensch wird man irgendwie nicht mit Willenskraft, im Gegenteil. Je mehr ich mich bemühe, umso mehr ärgere ich mich über diejenigen, die nicht ebenso hehre Ziele verfolgen. Ja und dann tut sich der nächste Teufelskreis auf, statt Verständnis zu haben, richtet man nach seinen eigenen Maßstäben und schon fühlt man sich zwar besser als der Rest der Welt, ist aber eigentlich das reine Gegenteil.
Es ist aber auch elendig schwer ein guter Mensch zu sein. Entweder man ist gleichgültig, aktzeptiert alles und hält sich aus allem raus, dann ist man alles andere als gut. Oder man engagiert sich und wird schnell viel zu übereifrig, sieht Fehler wo womöglich keine Fehler sind und urteilt zu vorschnell. Die schlaue Frage ist also die, wann mische ich mich ein, wann lasse ich es beruhen. Ich habe das noch nie vernünftig für mich beurteilen können. Manchmal kann man auch nicht alles überdenken, sondern man muss handeln. Wenn man dann noch anfängt alles moralisch abzuwägen… Du lieber Himmel.
Es gibt Menschen, die können das. Vielleicht nicht perfekt, Schwachstellen hat jeder, aber pefekter als ich. Vielleicht sollte man gar nicht erst versuchen gut zu sein. Wozu sollte man überhaupt gut sein wollen? Kriegt’ man eh nichts für. Allein gut sein zu wollen, klingt so streberhaft, grauenvoll. Ich werde jetzt ein böser Mensch, jawohl! Das ist wenigstens nicht so schwierig. Man sollte sich am Anfang immer einfache Ziele suchen. Gutsein will eh jeder. Irgendwie. So machen wir das jetzt! Ich werde ein nicht-guter Mensch. Ein Gutmensch wollte ich eh nie werden, dass sind die, die Gutes tun wollen, die aber nicht darüber nachdenken, was sie tun. Die haben sowieso immer die beste Ausrede mit ihrem “ich hab es doch nur gut gemeint”. Ich glaube das mit dem Gutsein wird mir jetzt einfach zu langweilig. Wie viel schöner ist doch das entsetzte Gesicht, wenn man dem- oder derjenigen sagt, genau so habe ich es gemeint. Und ich muss nie wieder ein schlechtes Gewissen haben. Mal schauen, ich glaub das wird sogar noch schwieriger als das Gutsein.