Gedankenfetzen

In der Kategorie Gedankenfetzen am 30.04.12 um 20:50 Uhr veröffentlicht.

Narzissmus

Selbstverliebtsein im übertriebenen Maße. Denk ich doch gleich an den Knaben Narziss, der sich in sein eigenes Spiegelbild verliebt hatte. Ich gebe zu, ich bin genauso! Ich habe einen riesigen Spiegel in meinem Zimmer. Er ist so groß, dass man ihn nicht übersehen kann, egal an welchem Plätzchen man sich in meinem Zimmer befindet. Wache ich morgens auf und schaue bewusst in den Spiegel (was ich aus gutem Grunde NIE morgens mache) könnte ich also schon im ersten Augenblick meines Wachseins ein verschlafenes Mietzchen beim Aufwachen sehen. Glücklicherweise habe ich sehr sehr schlechte Augen, so dass ich gerade mal hell von dunkel (samt Farben) voneinander unterscheiden kann, solange ich nicht meine Brille aufhabe.
Aber ich wäre ein schlechter Lügner, wenn ich nicht zugebe, dass ich spätestens nach dem Duschen vor dem Spiegel stehe und kritisch überprüfe wie weit meine Falte rechts oberhalb des Mundwinkels im Gesicht meines Spiegelbildes schon wieder vorangeschritten ist. Die Tage, an denen ich an das Faltenbeschauen denke, sind die schlechten Tage, an denen nichts Gutes passieren kann. Dann gibt es die Tage in denen ich selbstverliebt in den Spiegel schaue und mich an meinen schwarzen Knopfaugen erfreue und froh bin, dass ich so schlechte Augen habe und meine Pupillen immer so aussehen als wäre ich auf Drogen.

Es ist auch erstaunlich, wie ich es mittlerweile schaffe gewisse Körperteile meines Seins einfach auszublenden, je nachdem welche Laune ich gerade habe. Eines der seltsamsten Phänomene ist ja das eigene Wahrnehmungsvermögen. Ich war nie eines der dünnen Kinder, sondern eigentlich hatte ich ab 13 Jahren stets zuviel auf den Rippen. Das Alter weiß ich so genau, weil ich mit 13 den 60 kg bedrohlich nahe kam und als alles Diäten nicht half, half ich mir auf andere Weise: Kurz bevor ich die 60 überschritten hätte, stellte ich mich einfach nicht mehr auf die Waage. 10 Jahre lang habe ich das mindestens durchgehalten. Ich war schon immer ein sehr stures Etwas, zumindest in gewissen Dingen. Als ich dann irgendwann mal Jahrzehnte später doch auf eine Waage musste, waren die 60 kg natürlich schon weit überschritten.. Tja. Jedenfalls was ich sagen wollte, ich fühle mich eigentlich immer als zuviel, zu groß und zu tollpatschig. Gruppenfotos bestätigen mir das, weil in meinen Augen sehe ich im Gegensatz zu dem Rest der Menschheit völlig deplatziert aus. Jaja, so ist das. Jedenfalls haben wir ein sehr dünnes Mädchen auf der Arbeit. Ich fühle mich jedes mal neben ihr wie ein Trampel… irgendwie kamen wir dann zuletzt auf das Thema Gewicht zu sprechen und siehe da (sie ist kleiner als ich) sie wiegt gerade mal 4 kg weniger als ich. Mein ganzes Weltbild ist irgendwie zusammengebrochen und so recht kann ich es mir immer noch nicht erklären (sieht man sich denn wirklich so völlig verkehrt??? Ich mein das wirklich so, ganz ohne Fishing for compliments!). Nun gut, ich bin mittlerweile zu dem Schluss gekommen, dass sie mich angeschwindelt haben muss, oder dass sie sehr sehr schwere Knochen hat, die man ihr nicht ansieht….
Ich kann übrigens in Gegenwart anderer Menschen nicht in einen Spiegel schauen. Es ist zum Verrücktwerden, sobald irgendjemand im Raum ist und ein Spiegel befindet sich ebenfalls in diesem Raum, schaffe ich es, selbst dann wenn ich direkt vor dem Spiegel stehe, ihn zu ignorieren. Geistiges ausblenden nenn ich das immer. Es ist fast lächerlich, aber ich habe das Gefühl man könnte mir in die Seele schauen, wenn ich in Gegenwart eines anderen Menschens in einen Spiegel schaue.
Naja irgendwelche Spinnereien verfolgen wir ja alle… ich hab mir das auch nicht aktiv ausgesucht, das war einfach da, ich weiß nicht mal woher es kommt!
Der Grund warum ich diesen Eintrag überhaupt schreibe ist folgender: Wir haben vor 2 Wochen Portraitfotos in der Arbeit gemacht. Dafür kam extra eine Visagistin und hat unsere Gesichter bemalt. Ich bin natürlich mehr oder weniger stolz nach Hause gelaufen und wollte das Ergebnis auch selbst aufnehmen. Leider ist die Kamera in meinem Rechner so derart schlecht, dass man nicht mal sieht, dass ich geschminkt wurde, was ich jammerschade finde. Nun ja, aber wie das so ist… wenn man schon mal vor der Kamera steht – und sagt mir nicht, ihr würdet so etwas nie machen! – dann hat man natürlich die Gelegenheit zu posieren. Ja, auch ich mache das, ich geb es zu, ich habe eine königliche Freude daran, ab und zu so zu tun als wäre ich ein Fotomodell oder eine Schauspielerin. Die Bilder würde ich natürlich nie herzeigen, die gehören schließlich nur mir! Außerdem würden sie zuviel über mein Ich verraten. Als wenn ich das ja nicht ständig täte, aber es gibt eben Unterschiede. Ich habe den Informationsfluss über mich lieber unter Kontrolle. Naja, wie dem auch sei. Da ein sehr lieber Mensch nach den Schminkfotos gefragt hat, und ich verzweifelt versucht habe samt Photoshop einen Hauch von den Schminkbildern auf den Bildschirm zu zaubern, habe ich es eben ein bisschen künstlerischer gemacht. Und dann sind lustige Bilder entstanden, die ich nicht mehr so schlimm finde, weil sie ja irgendwie doch entfremdet worden sind. Vielleicht kann man sich jetzt ein bisschen vorstellen, wieviel Spaß mir es macht ab und zu vor der Kamera herumzuhüpfen!
Und weil ich trotzdem eine tyrannische mietze bin, bleibt die Kommentarfunktion weiterhin zu. Ich muss zur Zeit meine Weltherrscherbeherrscherin-Allmachts-Phantasien ausleben! Jawohl! Ach so und fragt nicht warum ich diese narzistischen Regungen in mir habe, die bestimmt 99% der Menschheit auch irgendwie in sich haben. Behaupte ich einfach mal!

Tja, wer sich jetzt auf Fotos gefreut hat, wird sich wundern, dass keine zu sehen sind. Mein WordPress mag mich nicht mehr. Es weigert sich, meine Bildchen hochzuladen, bzw. sie in den Artikel zu integrieren. Weiß Gott warum, wahrscheinlich war das ein Wink mit dem Zaunpfahl, es sein zu lassen mit dem Bilderveröffentlichen. Naja, dann halt nicht. Aber weils ein typischer mietzischer Artikel geworden ist, ein solcher, der schon lange nicht mehr geschrieben worden ist und weil ich heute ganz unheimlich selbstverliebt in mich bin, kommt er eben trotz oder gerade deswegen auch ohne Bilder online. Wär ja auch langweilig, wenn Artikel immer das halten, was sie versprechen!!!

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Gedankenfetzen

In der Kategorie Gedankenfetzen am 14.03.12 um 22:38 Uhr veröffentlicht.

Zwänge

Müdigkeit, die mich täglich überfällt. Und dennoch stets nur diese kurzen Phasen in denen ich schlafen kann. Mitten im Tiefschlaf ergreift mich dieser Schwindel, bis mein Körper anfängt SOS zu senden.
Seit Neustem halte ich beim Schlafen die Luft an. Immer wieder passiert es und jedes Mal springen sämtliche Alarmsysteme meines Körpers an, so dass ich mich hellwach im Bett wiederfinde.
Zwänge übertragen sich auf meinen Schlaf. Täglich tu’ ich meiner Sprache Gewalt an. Ich verstümmel sie. Mache Sätze aus ihr fern jeglicher Poesie. Klare neutrale Sätze, die so hässlich sind, dass ich sie, wenn ich sie einen Tag später nochmals lese nicht mehr als meine Handschrift wiedererkenne. Plötzlich hat jedes Wort einen Sinn und ist kein bloßes Füllwort mehr. Jedes Wort steht stramm wie ein Soldat an seinem Platz und wehe wenn nicht! Dann marschiert es. Oder besser gesagt, wird maschiert. Ich bin der Oberbefehlshaber meiner Wortarmee. Es fühlt sich genauso gräßlich an, wie es hier geschrieben steht. Ich will keine kleinen Wortsoldaten. Ich will die Liebe und Schönheit zum Sein und Nichtsein wieder. Ich will das Leben spüren und keine kleinen zackigen Soldaten heranziehen.
Marsch ihr kleinen Informationsträger, ab ins Bett! Es ist Feierabend und stört mich nicht weiter!

Der Eintrag erhält dieses Mal keine Kommentarfunktion, denn mein schlechtes Gewissen erlaubt nicht den letzten unkommentiert zu lassen! Aber der Eintrag musste jetzt einfach sein. Sonst gewinnt mein Spezial-Wort-Truppe das Sagen über mich!

Und das wäre doch mal wirklich gräßlichst… und wie!!! Himmel, heute weiß ich wieder, warum ich unbedingt ein blog brauche. Sonst werden meine Herzensworte von den Wort-Legionären einfach so augelöscht. Fui!! Meine Rebellen werden gewinnen, das ist schon mal sicher, aber sowas von!

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Gedankenfetzen

In der Kategorie Gedankenfetzen am 10.01.12 um 00:26 Uhr veröffentlicht.

Phönix

Aus der Asche entstiegen. Immer dann wenn er gestorben, verbrannt, vernichtet ist, erwacht der Phönix zu neuem Leben. Man hätte den Phönix auch einfach Hoffnung nennen können.

Verhält es sich mit der Hoffnung nicht genauso? Sie ist nicht totzukriegen. Nicht einmal der Satz, “die Hoffnung stirbt zuletzt” stimmt. Denn oft stirbt sie viele Male, oft ist sie vergraben, verschüttet, tot. Dann kommt ein einziger Funke und sie brennt wieder lichterloh. Die Hoffnung stirbt nicht als Letztes, sie stirbt einfach nie. Sie ist unglaublich zäh und während man noch in ihren Trümmern lag, erstickt an der schieren Hoffnungslosigkeit, wer kommt da leichtfüßig dahergehüpft und schert sich nicht um die schweren Mühlensteine, die man sich schon um den Hals gekettet hatte?
- Die Hoffnung, sie springt, sie hüpft und sie lässt Dich jeden Mühlenstein vergessen.

Du vergisst die Erdanziehungskraft, die Realität, die weisen Mahnungen, die Dir Dein Gehirn versucht noch zuzuflüstern. Aber da hat sie Dich schon wieder rumbekommen. Die Hoffnung tanzt mit Dir. Sie dreht Dich, sie lässt Dein Herz höher schlagen und Du könntest selbst mit zehn Mühlsteinen um den Hals federleichtes Ballett tanzen. Die Hoffnung küsst Dich, sie liebt Dich und sie nährt Dich.
Aber sie kann Dich ebenso schnell wieder verlassen, wie sie gekommen ist. Dennoch kommt sie jedesmal wieder, oft in anderen Gewändern, so manches Mal erkennt man sie gar nicht mehr. Aber ohne sie, wären wir nicht mehr. Ich glaube nicht, dass die stärkste Kraft, die uns innewohnt die Liebe ist, sondern für mich ist es die Hoffnung. So wie in jedem Frühling die Knospen sprießen, die Blumen wieder blühen, so ist es auch mit der Hoffnung.
Ach, und fall ich auch jedes Mal wieder auf sie herein… irgendwie ist sie das einzige Miststück, dass mich hintergehen darf, ohne dass ich ihr böse sein kann.

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Gedankenfetzen

In der Kategorie Gedankenfetzen am 27.12.11 um 14:33 Uhr veröffentlicht.

Die Kunst mutig zu sein

Oft habt Ihr mich gefragt, wie ich meine Bilder male. Oft genug habe ich darauf geantwortet: “Ich weiß es nicht”. Denn ich habe keine Worte dafür, die den Vorgang erklären können. “Es ist jedesmal ein Kampf”, sage ich meistens. Ein Kampf gegen sich selbst, gegen die Angst etwas Schönes zu zerstören und alle Arbeit mit einem nicht richtig gesetzten Pinselstrich vernichten zu können. Es ist aber auch die Geschichte vom Mut etwas Neues zu probieren, loszulassen und damit auch Alles gewinnen zu können. Niederlage und Sieg liegen beim Malen so eng beieinander. Unglaublich nah und letztendlich entscheidet immer das Durchhaltevermögen, ob es sich zum Guten wendet.

Manche Bilder waren unglaublich schön und ich habe sie mit ein paar Pinselstrichen ihrer Schönheit beraubt. Das weiß niemand, weil niemand die vorherige Fassung kennt, weil ich Bilder generell nur online stelle, wenn sie fertig sind. Kein Mensch weiß damit also, was ein paar dunkle Striche an der falschen Stelle zerstört haben. So halte ich es auch während ich ein Bild male. Niemand soll und darf ein unfertiges Bild sehen. Es ist meines, solange es nicht fertig ist. Und so lange kommunizieren nur wir beide miteinander. Wer da hineinstört, der lässt es sterben, weil ich nicht mehr die Liebe zu dem Bild empfinde wie vorher.

Eine Mutter zeigt ihr Kind schließlich auch erst, wenn es zur Welt gekommen ist. Da kann man vorher auch nicht nachschauen. Und kommt mir nicht mit Ultraschallbilder. Was ist ein Ultraschallbild denn gegen ein echtes schreiendes Plärrbündel, hm? Nichts. Und so ist das auch mit Bildern. Sie entstehen im Nebel, meist sind sie kurze Gedankenfetzen, Ideen, die kurz aufblitzen und wenn ich mich nicht beeile, wieder im Sumpf des Vergessens verblubbern. Manchmal sind sie Wünsche, von anderen.

Ausgerechnet die Wunschbilder mag ich am allerwenigsten. Immer wenn jemand ein Bild möchte oder fragt, ob ich eines malen könnte, frage ich danach, was er oder sie denn gerne hätte. All diese Bilder male ich nicht gern. Nicht weil ich die Menschen nicht gern mag, ich mag keine Auftragsmalerei. Dabei bin ich meistens diejenige, die sagt, “Ja, was hätten’s denn gern?”. Nein, wenn jemand ein Bild hat, das er gemalt haben möchte, dann soll er nicht zu mir gehen. Ich habe nicht das Herz für fremde Vorstellungen und ich spüre immer wieder denselben Widerstand, wenn ich zum Malen eines solchen Bildes anfange.

Manche Bilder, die entstehen nochmal ganz anders. Dann, wenn ich mir einen neuen Pinsel gekauft habe, einen neuen Block, oder irgendetwas ganz anderes, das zum Malzubehör dazu gehört. Ich kann dann nicht einfach warten bis die Muse mich küsst. Schließlich müssen die neuen Utensilien jetzt ausprobiert werden, JETZT und nicht zu einer anderen Zeit. Die Auswahl an Motiven ist in diesen Augenblicken nicht so groß. Aber das ist ganz egal. Da wird genommen, was mir gerade in die Finger kommt. Dazu höre ich Musik und dann entstehen Bilder. Nicht die Schlechtesten. Aber auch nicht die Besten. Ihnen fehlt oft die Tiefe und andrerseits haben sie eine ganz andere Tiefe. Eine Tiefe des Augenblicks und das Sichtbarmachenwollen des Augenblicks.

Das was die Kunst schafft, diejenige, die sich in Bildern manifestiert, ist es, die Zeit anzuhalten. Ein Bild bleibt ein Bild bleibt ein Bild (es sei jemand zerstört es). Bilder sind zeitlos, dafür gänzlich unbewegt.Musik ist das genaue Gegenteil. Vielleicht höre ich deswegen immer so gerne Musik, wenn ich male. Musik ist mein Gedächtnisspeicher… aber davon ein andermal.

Mein diesjähriges Weihnachtsgeschenk waren zwei Pinsel, und ich hatte nicht die Zeit zu warten, dass mein Kopfkino den nächsten Film einlegt. Mein Motiv? Ich habe gemalt, wie ich male: Meine Lieblinsgfarben, das Gefühl während man ein Bild malt, und das Wissen für einige Zeit nicht auf dieser Welt zu sein. Meine Lieblingsfarben… mir ist es zum ersten Mal selbst aufgefallen… Grün ist als einzige Farbe nicht dabei. Ich mag grün nicht, wenn es um mich geht. Grün passt in viele meiner Bilder und dort stört mich die Farbe auch nicht. Im Gegenteil, in vielen Bildern muss grün sein. Aber zu mir passt kein grün. Es ist die einzige Farbe mit der ich mich gar nicht identifizieren kann.

Wie weit gehe ich, wann höre ich auf und was kann ich noch retten? Das sind die Fragen, die ich mir jedesmal während des Malens stelle. Ein falscher Strich bedeutet nicht das Ende. Vielleicht macht er ein Bild weniger schön, aber man lernt, dass man nicht aufgeben darf. Wer dann alles hinwirft hat schon verloren. Auch wenn es seltsam klingt, aber die Kunst des Malens hat mich wirklich gelehrt, weiterzumachen, nachzudenken und Lösungen zu finden, wie man hässliche Fehler beheben kann. Manchmal gelingt es, manchmal weniger. Aber das Kreative an meinen Bildern sind eigentlich die Überlegungen, wie ich Fehler liebenswerter machen kann, wie ich aus Fehlern Gebilde machen kann, die trotz allem irgendetwas Ästhetisches vermitteln können. Das gelingt nicht immer. In diesem Bild schon gar nicht. Der Daumen ging schief und was nicht noch alles (der Daumen ist am schlimmsten!).

Trotz allem, und das liebe ich am meisten an allen Bildern auf dieser Welt: Jedes Bild ist die Unterschrift eines Menschens. So sehr wir alle versuchen einander ähnlich zu sein, so sehr kristallisiert es sich in jedem Bild heraus, wie unterschiedlich wir doch sind. Ein Picasso ist ein Picasso, ein Kandinsky ein Kandinsky und ein Klimt ein Klimt und wen es nicht noch alles gibt. Für mich ist dieser Wiedererkennungseffekt, das was ich an der Kunst am meisten mag. Es gibt mir das Gefühl, den Künstler zu kennen, vielleicht auch ein bisschen etwas von seiner Art zu verstehen.

Und das was mich dabei auch ein bisschen stolz macht, ist, dass ich irgendwann – es hat seltsamerweise sehr lange gedauert – gemerkt habe, dass ich auch meine eigene Art habe Bilder zu malen. Eine mietze ist eine mietze ist eine mietze.

Artist at Work

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In der Kategorie Gedankenfetzen am 14.12.11 um 02:28 Uhr veröffentlicht.

Ideenfriedhöfe

Da wanderen sie…. ins Ungewisse, hüpfen über Bergrücken und landen in weichen tiefen grünen Tälern. Dort sterben sie, unbemerkt, manchmal bäumen sie sich noch auf und wollen ihren Besitzer ein letztes Mal an sich erinnern.
Und dennoch sterben sie, ungesehen, ungeliebt, unbeachtet. Wer weiss, was aus ihnen geworden wäre. Jung waren sie, als sie geboren wurden, noch voller Fehler und Lücken, dann wurden sie vollkommener und vollkommener – sicherlich immer noch nicht ganz ohne Fehler und Schwächen. Sie drängten sich auf, wollten an die frische Luft und dann bedeutete man ihnen, dass sie warten müssen. Weil gerade etwas Anderes wichtig war, oder weil ihr Träger müde war und lieber auf den wohlverdienten Schlaf warten wollte – der in solchen Siutationen gewöhnlich nie kommt.
Die glücklichen unter ihnen haben es geschafft, sie piesackten und überredeten ihren Menschen, sein Notebook trotz tiefer Nacht wieder anzumachen, den Rechner zu hochzufahren und sie aufzuschreiben. Die unglücklichen jedoch wurden verschoben, erst widerwillig, dann immer öfter, weil sie zu nerven anfingen und dann war das Gefühl, das man so liebevoll für sie hegte, verschwunden.
All die Begeisterung, die man für sie spürte war nur noch eine leise Ahnung. Das Wissen, dass es sie noch gab, dass sie wundervoll waren und voller Schönheit, die immer mehr in einem Nebelschleier verloren ging. Irgenwdann waren es nur noch die Gedanken, dass es sie mal gegeben hatte und dann noch später, verschwand sogar das Wissen um sie.
Sie waren auf dem Friedhof der toten Ideen gelandet. Begraben, vergessen und verloren. Manche Gräber kann man dort noch ausmachen und denkt mit Wehmut an ihre verborgenen Schätze. Andere Gräber verlieren sich in der Dunkelheit und andere werden gerade ausgehoben und mit neuen toten Ideen gefüllt, die es nie an die Oberfläche geschafft haben. Ob sie gut waren oder nicht, wird nie jemand wissen. Aber es weint auch niemand um sie, im verborgenen Niemandsland der toten Ideen.
Manche Gräber besitzen noch Inschriften, die den Träger daran erinnern, welche Idee er dort vergraben hatte. Die über die Liebe, die über das Bild mit den Postkarten, oder die mit dem bösen Vampir. Wie Alpträume, die mit zeitlichen Abstand immer weniger schlimm werden und nur noch leicht an das Grauen erinnern, als man sie damals geträumt hat. So liegen sie hier.
Manche sind auch Briefe, nie geschriebene, weil die Hoffnung starb. Manche sind Worte und Antworten, die in Liebe gedacht waren und die im Zeitmangel untergingen. Wieviel geliebte Worte sind oft niemals bei den von uns geliebten Menschen angekommen? Jetzt ruhen sie auf den Ideenfriedhof, denn alles was von ihnen übrig blieb, sind vage Gebilde im Nebel.
Die eine hier, die wollte sich nicht begraben lassen und kämpfte. So lange, bis ihr Träger es aufgegeben hatte, den wohlverdienten Schlaf zu frönen. Das Notebook wurde aufgemacht, der Rechner hochgefahren und nun ist sie hier. Bald eingemeißelt in die virtuellen Schieferplatten, von Suchmaschinen unsterblich im Netz der Möglichkeiten verwebt.

Und ich kann mich jetzt hoffentlich endlich in das Land der Träume begeben. Und schon drängt sich die nächste Idee auf… ein Bild für die Gedankenfetzen – eine Idee, die hoffentlich überlebt.

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