
In der Kategorie Farbenfieber am 23.01.12 um 18:50 Uhr veröffentlicht.
Manchmal gibt es Bilder, bei denen ich mich nicht entscheiden kann, ob ich sie für lange lange Zeit von der Bildfläche verschwinden lasse (und sie womöglich eines Tages ganz gut finde), oder ob ich zu kritisch bin. Das letzte Bild hat viel Arbeit und Mühe gekostet. Es ist eigentlich objektiv gesehen total hässlich, der Körper ist im Gegensatz zum Kopf nicht wirklich passend, weder farblich noch förmlich. Und andrerseits… irgendetwas hat das Bild, das mich nicht loslässt, trotz des viel zu dunklen Kopfs, dessen Form auch zu wünschen übrig lässt. Ich glaub es ist einfach der Blick der Badenden, oder es sind ihre roten Lippen… ehrlich gesagt weiß ich es selbst nicht, aber ich bringe es tatsächlich nicht übers Herz sie unerwähnt in den Tiefen meines Schrankes verschwinden zu lassen.
Keine Sorge, das ist kein Fishing for compliments-Eintrag, aber ich kann mich einfach nicht entscheiden, ob ich sie ganz außergewöhnlich schön finde, oder banal hässlich. (Beim Draufklicken wird sie noch ein bisschen größer)
Sofasophia hat am 23. Januar 2012 um 23:12 Uhr geschrieben:
ohne quatsch: ich finde das bild sehr ausdrucksstark. gerade weil es eben nicht perfekt im sinne von goldenem schnitt ist. es ist diese asymmetrie, die mich fasziniert, und die leise melancholie, die mir sehr bekannt vorkommt.
ich würde es in meiner wohnung aufhängen! wie groß ist es? aquarall?
Sherry hat am 24. Januar 2012 um 00:15 Uhr geschrieben:
Weißt du, dieses Bild ist für mich außergewöhnlich schön und außergewöhnlich schmerzhaft. Denn ich sehe eine junge Frau, die längst aufgegeben hat, eine zu sein, obwohl sie voller Sehnsucht nach Liebe ist, nach Geborgenheit. Und ich sehe eine junge Frau, die Medikamente und Alkohol geschluckt hat. Und für mich ist das eine junge Frau, die gerade am sterben ist. Selig, befreit, bald ihrem Ziel näher. Bitte denk’ nicht, dein Bild sei schlecht, nur weil ich darin all das hier sehe. Ich liebe dieses Bild. Verstehst du? Die schmutzige, rissige Wanne, der verfleckte Hintergrund, ihr gezeichnetes Gesicht, uneben wie ihr Leben. Ihre unweibliche, aber auch unmännliche schulter. Ihre Undefiniertheit, hätte sie da nicht diese Augen, diese Augen, die verraten (für mich), dass sie eine Frau ist.
Ich danke dir für dieses Bild. Du bist eine wunderbare Künstlerin. Und in dir stecken Gefühle, die du so selten äußerst, aber ich sehe sie in deinen Bildern. Und sie tun mir weh, aber sie sagen mir, dass wir miteinander verwandt sind, in irgendeiner Weise.
mietze hat am 24. Januar 2012 um 01:04 Uhr geschrieben:
Liebe Sofasophia,
vielen lieben Dank für Dein Kompliment, ich hab mich echt gefreut! Das Bild ist gar nicht so groß in Echt, “nur” 30x40cm, richtig große Bilder mal ich nie, wobei, wenn ich darüber nachdenke, ist das ja auch schon ziemlich groß :-D
und ja es ist ein Aquarell, mit Acryll kann ich mich nur bedingt anfreunden, die Aquarellfarben sind so ein bisschen wie ich, sie lassen sich nichts sagen
mietze hat am 24. Januar 2012 um 01:09 Uhr geschrieben:
Liebe Sherry,
ach, da tut mir mein Herz fast ein bisschen weh. Du hast so recht, und das seltsame ist, ich hab das gar nicht so richtig gesehen. Ich dachte mir noch, sie sieht ein bisschen aus wie auf Drogen. Und ja, jetzt wo ich das von Dir lese, sind es gar keine Drogen sondern Tabletten, als würde sie gerade ausbluten. Zum einen schaut sie so hoffnungslos und dann sieht das untere ein wenig verwischte Auge fast so aus als würde sie weinen. Ich hätte sie eher “Der sterbende Schwan” nennen sollen, statt “Die Badende”.
Das Bild hab ich von einem Foto abgemalt. Es war eine junge hübsche Frau, die so unschuldig und rein gewirkt hatte, einfach nur schön. Eigentlich wollte ich sie dem kleinen mäh widmen, weil er gestern Geburtstag hatte und während des Malens befiel mich dann immer mehr die Angst, das kleine mäh könnte denken ich würde mich selbst malen und je länger ich dran malte umso mehr hatte ich das Gefühl, dass ich da nicht mehr diese junge Frau malte, sondern dass es ein ganz anderes Bild wurde, dass ich dann gestern auch gar nicht mehr online stellen wollte.
Ach, weisst Du ich bin echt froh um Deine Interpretation. Manchmal sehe ich so viele Dinge nicht obwohl ich sie spüre. Ich bin froh, dass Du die Worte dazu hast. Danke Dir!
Sherry hat am 24. Januar 2012 um 07:59 Uhr geschrieben:
Wenn ich so malen könnte, ich würde den ganzen Tag malen. Ich müsste nicht nach einem “Model” suchen, mich nicht ständig wieder zurückziehen, weil ich mich nicht traue, Menschen zu fotografieren, ich könnte einfach malen. Ohne diese nervigen, beschreibenden Worte, einfach nur malen. Du weißt nicht, wie beneidenswert deine Gabe ist, ich glaube, du hast echt keine Ahnung. Ich beneide einmal Maler und einmal Musiker. Vor allem, wenn sie frei singen können und dazu ein Instrument spielen.
Nein, dass du sie nicht direkt im Titelbild “sterbend” genannt hast, ist einfach genau richtig. Die Menschen – viele – schauen nicht hin, wenn sie meinen, da eröffnet sich ihnen gerade ein depressiver, lebensmüder und loslassender Inhalt. Du weißt selbst, wie es ist. Wie wir uns selbst verlachen, wenn es uns schlecht geht, wie wir anfangen, fröhlich zu pfeiffen, damit wir nicht so wirken, wie wir uns fühlen.
Darf ich das Bild online setzen? Aber diesmal das allein, damit die Leute das intensiv betrachten können. Denn dieses Bild ist intensiv.
Burcado hat am 24. Januar 2012 um 13:54 Uhr geschrieben:
Liebe Mietze,
ich habe dein Bild im Vollbildmodus geöffnet, und weil ich kalte Hände und Füße hatte, bin ich in die Badewanne gegangen. Als ich zurückkam, merkte ich, daß sich dein Bild mir etwas mehr erschlossen hat, irgendwie mag ich es, und dieses Mögen geht in einen komplexen Prozess.
Es erinnert mich an Photos einer lieben Freundin, die mit Schaum in der Badewanne gespielt hat, die ihre Ernsthaftigkeit fast nur in der Badewanne vergessen konnte. Nun gut, deine Badende sieht eher klar aus als “nur” ernst, vielleicht auch erschrocken – und zugleich hat sie sinnliche Lippen.
Bilder, die einen am Anfang eines Prozesses erschrecken, kenne ich zu Beginn meines künstlerischen Durchbruchs; für mich bedeutete es, das Thema “Selbstakzeptanz und Selbstbewusstsein” zu öffnen. Ich habe mein Bild damals auch liegen gelassen, denn es war nicht mehr aus der Perspektive eines kleinen Kindes gemalt, ohne den Gedanken, Mama und Papa lieben mich.
Das neue Bild ist ein Durchbruch gewesen, es ging eine Phase der Selbstverwandlung voraus. Nun, das Bild habe ich leider nicht mehr im Original, ich habe es einer Herzensfreundin geschenkt.
Liebe Grüße
Burcado
Der Herr aus bei Hannover hat am 24. Januar 2012 um 17:49 Uhr geschrieben:
Zunächst die Augen: Die Pupillen stehen parallel und nicht leicht schielend wie bei (fast) jedem Menschen. Daher hat man das Gefühl, angeschaut zu werden. Das Missverhältnis zwischen Kopf und Körper entspricht wiederum den Kindchenschema. Rote Lippen schließlich signalisieren Gesundheit und Jugend.
So rational kann Kunst manchmal sein.
mietze hat am 24. Januar 2012 um 22:46 Uhr geschrieben:
Lieber Burcado,
naja, mein Bild hat mich jetzt eher nicht verstört
Aber ich bin auch keine echte Künstlerin, Kunst kommt ja schließlich von Können, und das setzt voraus, dass ein Bild dann am Ende auch so wird, wie man das geplant hatte, was es bei mir eigentlich nie wird.
Aber ich mal die Bilder eigentlich, weil ich will, dass sie den Menschen gefallen Ich wäre sehr traurig, wenn meine Eltern die Bilder nicht schön fänden. Ich bin da eher ein Mensch, der auch die Anerkennung von anderen braucht
mietze hat am 24. Januar 2012 um 22:48 Uhr geschrieben:
Ach lieber Herr aus Hannover,
es ist ja schön, dass Du hier auch mal eine andere Sicht hereinbringst, auch wenn ich Dich manchmal für Deinen rationalen Blick im ersten Augenblick manchmal im Geiste erwürgen könnte. Keine Sorge ich würd das nie tun, Du hast ja eigentlich sogar recht! Rational gesehen! Und eigentlich freu ich mich auch immer, wenn Du mit Deinem analytischen Verstand draufschaust.
Das mit dem Kindchenschema war eigentlich keine Absicht, aber jetzt wo Dus sagst hast Du recht. Das Problem ist eigentlich auch, dass das Gesicht sehr viel Tiefe hat und der Körper dagegen eher hingeklatscht ist. Aber ich mag sie trotzdem sehr!
mietze hat am 24. Januar 2012 um 22:51 Uhr geschrieben:
Liebe Sherry,
ach, wenn Du wüsstest, wie sehr ich Dich um Deine schönen Geschichten beneide und um Deine Ideen! Keine Geschichte ist gleich von Dir, immer wieder fällt Dir etwas Neues ein. Weisst Du, Du bist auch oft eine Impulsgeberin für mich, wenn ich Deine Texte lese hüpfe ich ein bisschen weiter nach oben in meinem Bewusstsein (klingt doof, nicht? aber guck, ich hab einfach nicht die Worte das so schön zu fassen wie Du!)
Und natürlich darfst Du das Bild veröffentlichen ich freu mich ja wie nochwas darüber
(Aber schreib nicht dazu, dass es von mir ist! weil sonst komm ich mir so doof vor :-D)
Sorry, dass das so lange gedauert hat mit dem Antworten, manchmal dauerts länger! :)
Der Herr aus bei Hannover hat am 24. Januar 2012 um 23:07 Uhr geschrieben:
Liebste Mietze,
Du glaubst gar nicht, wie sehr ich mich darüber freue, bei dem Bild, dass Du mir geschenkt hast, immer noch nicht zu wissen, warum ich es so sehr mag.
Maryam hat am 25. Januar 2012 um 10:51 Uhr geschrieben:
Mietze. Ich finde alle deine Bilder besonders. Deshalb kann ich zu dem nur sagen, dass es noch ein wenig mehr Ausdruck hat als die anderen. Es erzählt ganze viele verschiedene Geschichten. Ich hoffe, dass du an dich glaubst, denn du bist eine Malerin, eine Künstlerin, egal wie bescheiden du bist.
Die Seite ist übrigens sehr schön geworden!
Herzlich! Maryam
mietze hat am 25. Januar 2012 um 12:01 Uhr geschrieben:
Liebe Maryam,
vielen lieben Dank für Dein Lob! Ja, das Bild ist irgendwie seltsam, zum einen ist es wirklich furchtbar hässlich (objektiv gesehen) und zum anderen ist es echt schön (ich weiss es allerdings immer noch nicht wieso :) )
Ich hab mich sehr gefreut über Dein Kommentar, wenn ich endlich wieder mehr Zeit habe (sprich einen Job habe – ja das klingt wie ein Paradoxon nicht wahr? weil man denkt, dass ich doch ausgrechnet jetzt noch mehr Zeit haben müsste, aber es ist eine Zeit des Unzufriedenseins und so lange halte ich mich in allem was ich mache recht zurück), ja dann gucke ich auch mal richtig bei Deinem blog vorbei!
mietze hat am 25. Januar 2012 um 12:02 Uhr geschrieben:
Allerliebster Herr aus Hannover,
hehe, das nehm ich mal als Kompliment
aida hat am 25. Januar 2012 um 15:19 Uhr geschrieben:
liebe mietze,
ich kann nur wiederholen, was ich bei Sherry schon geschrieben habe: diese augen! sie lassen mich nicht los.
du bist eine wunderbare künstlerin. & dein blog gefällt mir sehr! :)
liebe grüße,
aida.
mietze hat am 25. Januar 2012 um 16:03 Uhr geschrieben:
Liebe Aida,
vielen lieben Dank für Deinen Zuspruch, da freu ich mich gerade ungemein über Eure Resonanz. Ich fand sie am Anfang eigentlich echt potthässlich (wahrscheinlich auch weil ich das Original kenne, und das ganz anders aussieht), aber jetzt hab ich so richtig das Gefühl, dass sie doch ganz gut geworden ist