Gedankenfetzen

In der Kategorie Gedankenfetzen am 14.12.11 um 02:28 Uhr veröffentlicht.

Ideenfriedhöfe

Da wanderen sie…. ins Ungewisse, hüpfen über Bergrücken und landen in weichen tiefen grünen Tälern. Dort sterben sie, unbemerkt, manchmal bäumen sie sich noch auf und wollen ihren Besitzer ein letztes Mal an sich erinnern.
Und dennoch sterben sie, ungesehen, ungeliebt, unbeachtet. Wer weiss, was aus ihnen geworden wäre. Jung waren sie, als sie geboren wurden, noch voller Fehler und Lücken, dann wurden sie vollkommener und vollkommener – sicherlich immer noch nicht ganz ohne Fehler und Schwächen. Sie drängten sich auf, wollten an die frische Luft und dann bedeutete man ihnen, dass sie warten müssen. Weil gerade etwas Anderes wichtig war, oder weil ihr Träger müde war und lieber auf den wohlverdienten Schlaf warten wollte – der in solchen Siutationen gewöhnlich nie kommt.
Die glücklichen unter ihnen haben es geschafft, sie piesackten und überredeten ihren Menschen, sein Notebook trotz tiefer Nacht wieder anzumachen, den Rechner zu hochzufahren und sie aufzuschreiben. Die unglücklichen jedoch wurden verschoben, erst widerwillig, dann immer öfter, weil sie zu nerven anfingen und dann war das Gefühl, das man so liebevoll für sie hegte, verschwunden.
All die Begeisterung, die man für sie spürte war nur noch eine leise Ahnung. Das Wissen, dass es sie noch gab, dass sie wundervoll waren und voller Schönheit, die immer mehr in einem Nebelschleier verloren ging. Irgenwdann waren es nur noch die Gedanken, dass es sie mal gegeben hatte und dann noch später, verschwand sogar das Wissen um sie.
Sie waren auf dem Friedhof der toten Ideen gelandet. Begraben, vergessen und verloren. Manche Gräber kann man dort noch ausmachen und denkt mit Wehmut an ihre verborgenen Schätze. Andere Gräber verlieren sich in der Dunkelheit und andere werden gerade ausgehoben und mit neuen toten Ideen gefüllt, die es nie an die Oberfläche geschafft haben. Ob sie gut waren oder nicht, wird nie jemand wissen. Aber es weint auch niemand um sie, im verborgenen Niemandsland der toten Ideen.
Manche Gräber besitzen noch Inschriften, die den Träger daran erinnern, welche Idee er dort vergraben hatte. Die über die Liebe, die über das Bild mit den Postkarten, oder die mit dem bösen Vampir. Wie Alpträume, die mit zeitlichen Abstand immer weniger schlimm werden und nur noch leicht an das Grauen erinnern, als man sie damals geträumt hat. So liegen sie hier.
Manche sind auch Briefe, nie geschriebene, weil die Hoffnung starb. Manche sind Worte und Antworten, die in Liebe gedacht waren und die im Zeitmangel untergingen. Wieviel geliebte Worte sind oft niemals bei den von uns geliebten Menschen angekommen? Jetzt ruhen sie auf den Ideenfriedhof, denn alles was von ihnen übrig blieb, sind vage Gebilde im Nebel.
Die eine hier, die wollte sich nicht begraben lassen und kämpfte. So lange, bis ihr Träger es aufgegeben hatte, den wohlverdienten Schlaf zu frönen. Das Notebook wurde aufgemacht, der Rechner hochgefahren und nun ist sie hier. Bald eingemeißelt in die virtuellen Schieferplatten, von Suchmaschinen unsterblich im Netz der Möglichkeiten verwebt.

Und ich kann mich jetzt hoffentlich endlich in das Land der Träume begeben. Und schon drängt sich die nächste Idee auf… ein Bild für die Gedankenfetzen – eine Idee, die hoffentlich überlebt.

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